H₂‑Gehalt über das Oxidations-Reduktions-Potenzial (ORP) abschätzen
In vielen Angeboten von Geräten, die H2-Wasser erzeugen, hält jemand ein kleines Stabgerät mit einer digitalen Anzeige ins Wasser, auf der direkt der H2-Gehalt des Wassers in ppm angezeigt wird (oder häufiger in ppb, weil eine tausendfach größere Zahl mehr Eindruck macht). Dabei handelt es sich jedoch nicht wirklich um eine Messung des H₂‑Gehalts, sondern schlicht um die Messung einer elektrischen Spannung, verursacht durch das Verhältnis unterschiedlicher negativ und positiv geladener Ionen im Wasser. Gemessen wird das "ORP" in Mikrovolt und daraus wird umgerechnet, wie viel gelöstes Wasserstoffgas im Wasser erforderlich wäre, um diese negative Spannung im Wasser zu verursachen, zumeist noch nicht einmal über eine zusätzliche Messung des pH-Wertes und der Temperatur des Wassers korrigiert. Aber auch noch andere Inhaltsstoffe als H₂‑Gas können an dem negativen Redox-Potenzial beteiligt sein.
Daher ergibt diese "Messung" des H2-Gehalts im Wasser eher eine Hausnummer, die meist über dem realen H2-Gehalt liegt, als einen verlässlichen Wasserstoffgehalt.
Hier ist sehr gut beschrieben, was es mit dem ORP des Wassers auf sich hat, und
hier etwas zur Beurteilung der so gewonnenen Ergebnisse.
Und doch wird immer wieder mit diesen Messungen geworben, oft sogar noch irreführend ausgeführt. Beispielsweise zeigt ein Messgerät, das direkt in das sprudelnde H₂‑Gas gehalten wird, einen rechnerischen Wert von 1,7 ppm. Diese Anzeige selbst ist auch plausibel, weil so auch Wasserstoff mitgemessen wird, der sich gar nicht im Wasser lösen wird. Das Badewasser erreicht diesen Wert aber niemals! Wer sich die zwei YouTube-Videos einer solchen Werbung genauer ansieht, kann den Betrugsversuch auch selbst entlarven:
In einem Video misst das ORB-Messgerät 1,7 ppm (1724 ppb) in den sprudelnden Bläschen an der PEM-Zelle,
im anderen Video 0,3 ppm (292 ppb) im klaren Wasser seitlich ganz nah am Gerät. Weiter weg davon werden es höchstens 0,1 ppm sein.
Brauchbar ist diese Methode, um schnell zu erkennen, ob und wie schnell sich H₂‑Gas im Wasser löst, weil der Messwert dann entsprechend schnell in den Minusbereich sinkt. Beispiel einer ORP-Messung: 0,42 ppm H₂, ORP −141, pH 8,5, 40,1 °C und gemessen mit den blauen Tropfen: 0,65 ppm H₂
Geräte, die tatsächlich mit einem elektrischen Messfühler (einer kleinen Brennstoffzelle) den H₂‑Gehalt im Wasser messen können, sind wirklich sehr teuer, und der ebenfalls teure Messfühler muss immer wieder erneuert werden. Es wäre schön, wenn sich der H₂‑Gehalt so einfach und günstig, wie in der Werbung suggeriert, über das Redox-Potenzial messen ließe.
Alle Angaben zu H2-Messergebnissen auf diesen Seiten basieren auf der realistischeren Messmethode mit den "blauen Messtropfen". Idealerweise wurden die Messergebnisse auch noch durch eine Referenzmessung an einfach gesättigtem Wasser der gleichen Probe kalibriert. Diese kalibrierten Messwerte in ppm sind jedoch noch etwas zu niedrig, wenn O2-Gas in den MProben gelöst war. Je mehr O₂-Gas im Wasser ist, desto mehr weicht der ermittelte Messwert von der Realität nach unten ab.
H2-Gehalt messen mit blauen Tropfen
Der H₂‑Gehalt im Wasser läßt sich mit den dafür verkauften blauen Messtropfen bestimmen. Was diesen Tropfen chemisch zugrunde liegt, ist
in diesem englischen Artikel beschrieben.
Die Genauigkeit der Messung hängt jedoch stark von der Handhabung und von zusätzlich im Wasser gelösten Stoffen ab. Die Verdünnung der Tropfen ist so eingestellt, dass jeder Tropfen in 6 ml des zu prüfenden Wassers genau 0,1 ppm an H₂ bindet und sich dabei entfärbt. Ist alles H2 von den bisher eingetopften Tropfen gebunden worden, entfärbt sich der nächste Tropfen Methylenblau nicht mehr und das Wasser bleibt blau. Die Anzahl aller verwendeten Tropfen (incl. dem letzten Tropfen, der sich nicht entfärbte) mal 0,1 ppm ergibt dann, gemäß der den Tropfen beigefügten Anleitung, den gemessenen gewichtsmäßigen H₂‑Gehalt im Wasser in ppm.
Mit den blauen Tropfen wird nicht nur der Gehalt des Wassers an gelöstem Wasserstoff gemessen, sondern der Gesamtgehalt an H₂‑Gas, also auch das noch in feinsten Bläschen im Wasser schwebende H₂‑Gas. Möchte man den wahren Gehalt an gelöstem Wasserstoff messen, kann man das als einen Messfehler betrachten. Ein Hinweis darauf, dass ein großer Teil des im Wasser enthaltenen H₂‑Gases als Bläschen vorhanden ist und sich noch nicht gelöst hat, besteht darin, dass sich dann die Tropfen schneller entfärben, wogegen der Farbumschlag bei ausschließlich gelöstem Wasserstoff deutlich langsamer erfolgt.
Das Messergebnis der Tropfen wird durch gelöste Salze, durch Schwermetalle und Vitamin C im Wasser verfälscht und ebenso durch im Wasser gelösten Sauerstoff! Fließt das Wasser aus dem "Perlator" am Wasserhahn der Trinkwasserleitung, wird das Wasser in erheblichem Maß mit Sauerstoff angereichert und die Messwerte können schon alleine dadurch etwas "schlechter" werden. Sprudelt dann aber reines H₂-Gas längere Zeit durch das Wasser, so wird jedoch der Sauerstoff wieder ausgetrieben. Der sogenannte
„Blue Bottle"-Versuch zeigt, dass es sehr wohl möglich ist, dass die bereits transparenten „blauen Tropfen“ durch O₂-Gas im Wasser wieder blau werden und entsprechend auch so lange nicht entfärben, wie sich noch freies O₂-Gas befindet!
Geliefert wird meist eine kleine Flasche mit den blauen Tropfen und ein Messbecher mit Eichstrich, bis zu welchem meist 6 ml Wasser einzufüllen sind. Hilfreich zum Entnehmen und Abmessen des Wassers ist dabei eine 3‑ml-Einwegspritze (wie sie auch für die Spar-Variante der H2-Bestimmung verwendet wird).

Bild: Das Produkt "Bluewater H2" ist inzwischen nicht mehr erhältlich.
Die Methode wird von den Herstellern der Tropfen als einfach, verlässlich und kostengünstig beschrieben. Die drei Versprechungen sollen im Folgenden mal näher beleuchtet werden.
Einfach: So wie im Beipackzettel beschrieben ist die Methode auch einfach, denn Wasser abmessen und Tröpfchen zählen kann wohl jeder.
Wichtig zu beachten und in der Anleitung nicht beschrieben: Die abreagierten Tropfen hängen nach dem Test an der Wandung des Messbechers und müssen vor dem nächsten Test sorgfältig entfernt werden. Deshalb das Gefäß nach jedem Test mehrfach spülen und mit Küchenpapier auswischen oder so lange einweichen und Wasser wechseln, bis das Wasser im Gefäß dauerhaft klar bleibt und sich nicht nach einiger Zeit wieder blau färbt.
Sehr einfach lässt sich damit aber Schaden durch dauerhafte Verfärbung anrichten, wenn etwas von den Tropfen danebengeht! Zur Sicherheit also immer auf mehreren Lagen Küchenpapier arbeiten!
Bei Verwendung der Spritze zum Einfüllen von H2-Wasser sehr langsam saugen und ausdrücken, weil Turbulenzen in der vorderen Verengung der Spritze schon wieder H2-Gas entweichen lassen können.
Kostengünstig: Also billig sind die Tropfen wirklich nicht. Aber je nachdem, wie viel an kolloidalem Platin tatsächlich in den Tropfen steckt, mag der Preis gerechtfertigt sein. (25 ml Platin-Nanopartikel-Dispersion mit 1 ppm an 3 nm großen Partikeln kosteten 2020 im Internet-Vertrieb 238 EUR. Sind die Platin-Nanopartikel größer, ist die Lösung viel billiger … hat bei mir aber nicht mit Methylenblau und Alkohol (Ethanol) als Indikator funktioniert).
Hier beschreibe ich, wie sich bei geschickter Verwendung Tropfen einsparen lassen.
Zuverlässig: Dazu habe ich leider auch sehr schlechte Erfahrungen gemacht und lange nicht gemerkt, dass die Messergebnisse schwanken und sehr oft daneben liegen.
Auf die Herstellerangabe, dass jeder "blaue Tropfen", der sich entfärbt, genau 0,1 ppm (bzw. 100 ppb) entspricht, ist überhaupt kein Verlass!
Die Tropfen sind ohne zusätzliche Überprüfung und ggf. Kalibrierung nur für Vergleichsmessungen im Sinne von "mehr" oder "weniger" H₂-Gas zu gebrauchen. Vor jeder Messreihe sollten selbst ganz neue Tropfen unbedingt überprüft werden, ob sie auch tatsächlich einen plausiblen H2-Gehalt anzeigen! Ich hatte schon Tropfen, die einen nahezu doppelt so hohen H2-Gehalt gemessen haben.
Ebenso sind die Tropfen nicht zuverlässig, wenn sich bestimmte Inhaltsstoffe in dem Wasser befinden, das mit den blauen Tropfen gemessen wird. So erniedrigen Schwermetall-Rückstände im Wasser ggf. den Messwert und Ascorbinsäure im Wasser entfärbt selbst schon die Tropfen. Daher bringt ein Spritzer Zitronensaft im Wasser zwar höhere Messwerte mit den blauen Tropfen, aber nicht mehr H2-Gas ins Wasser! (Das ist ein bekannter Verkaufstrick, um vor Kunden den Booster zu boosten.)
Hier beschreibe ich, wie sich das Verfahren so korrigieren lässt, dass die Messergebnisse auch mit "schlechten" Tropfen plausibel sind.
Hier schreibe ich, wie sich die erreichte H₂‑Sättigung in % bestimmen lässt. (Diese Messmethode hat den großen Vorteil, gut reproduzierbare Ergebnisse zu liefern, unabhängig von Wasserqualität, Luftdruck und Temperatur.)
